Kapitel 73 des Laozi

Chinesischer Text

yǒnggǎnshāyǒnggǎnhuózhīliǎngzhěhuòhuòhài
tiānzhīsuǒshúzhī
tiānzhīdàozhēngérshànshèngyánérshànyìngzhàoérláitǎnránérshànmóu
tiānwǎnghuīhuīshūérlòu

Übersetzung

Wer den Mut zum Wagnis aufbringt, findet den Tod.
Wer den Mut zur Enthaltung aufbringt, findet das Leben.
Von diesen beiden Dingen ist eines nützlich, das andere schädlich.
Wenn der Himmel jemanden hasst, wer könnte dann seine Gründe ergründen?
Deshalb entscheidet sich der Heilige nur schwer zum Handeln.
So ist der Weg des Himmels.
Er streitet nicht und weiß doch zu siegen.
Er spricht nicht und doch gehorchen die Menschen ihm.
Er ruft sie nicht und doch kommen sie von selbst.
Er wirkt langsam und weiß doch kluge Pläne zu schmieden.
Das Netz des Himmels ist weit, seine Maschen sind weit, und doch entkommt niemand.

Anmerkungen

E: Das Wort shā (vulgär "töten") bedeutet hier "sterben" (es wird durch die Stellung passiv).

E: Diese beiden Dinge sind das Wagnis und die Enthaltung. Das Wort "nützlich" entspricht dem Wort huó "leben"; das Wort hài "schaden" entspricht dem Wort shā "sterben".

Der Himmel liebt die Guten und hasst die Bösen. Wer den Mut zum Wagnis aufbringt (B: wer sich um die erste Stelle bemüht; A: wer handelt), erntet den Hass des Himmels. Deshalb ist dieses Verhalten verhängnisvoll und bringt keinen Nutzen. Aber das Volk ist blind; es kennt die Gründe des Himmels nie. Nur der Heilige kann die Absichten des Himmels ergründen. Deshalb findet er in allen Angelegenheiten alles schwer und wagt nichts zu unternehmen.

E: Der Himmel streitet nicht mit den Menschen, und doch gibt es niemanden, den er nicht besiegt; er spricht nicht, und doch antworten sie ihm so schnell wie das Echo auf die Stimme; er ruft sie nicht, und doch kommen sie von selbst, um ihr Herz zu bessern.

E: Der Himmel wirkt langsam; aber er ist meisterhaft im Planen. Obwohl das Netz der Strafen der Welt enge Maschen hat (d.h. wie streng die Strafgesetze auch sein mögen), gibt es viele Menschen (Schuldige), die der Strafe entgehen. Das Netz des Himmels ist weit und groß; es scheint weitmaschig zu sein; aber es gibt keinen Bösen, der ihm entkommt.

苏辙 Sū Zhé: Er handelt langsam; es scheint, als plane er nichts, und doch sind seine Pläne und Absichten so hoch, dass niemand sie erreichen kann. Wenn die Menschen der Welt den Himmel mit ihren Augen betrachten, sehen sie nur eine enge Ecke; sie können ihn nicht in seiner Weite erkennen. Manchmal tut ein Mensch Gutes und erleidet Unglück; manchmal tut er Böses und erlangt Glück. Das Volk zweifelt nicht daran, dass das Netz des Himmels zu weitmaschig ist und viele Schuldige der Strafe entgehen. Aber wenn man das Ende abwartet, erkennt man bald, dass das Netz des Himmels, obwohl es weit ist und seine Maschen weit erscheinen, doch keinen Schuldigen entkommen lässt.