Chinesischer Text
信言不美,美言不信。
善者不辩,辩者不善。
知者不博,博者不知。
圣人不积,既以为人己愈有,既以与人己愈多。
天之道,利而不害。
圣人之道,为而不争。
Übersetzung
Wahre Worte sind nicht schön; schöne Worte sind nicht wahr.
Der tugendhafte Mensch ist nicht redegewandt; der redegewandte ist nicht tugendhaft.
Wer den Weg kennt, ist nicht gelehrt; wer gelehrt ist, kennt ihn nicht.
Der Heilige sammelt nicht (Reichtümer).
Je mehr er (seine Tugend) für die Menschen einsetzt, desto mehr wächst sie.
Je mehr er den Menschen gibt, desto reicher wird er.
So ist der Weg des Himmels: Er nützt den Wesen und schadet ihnen nicht.
So ist der Weg des Heiligen: Er handelt und streitet nicht.
Anmerkungen
E: Wahre Worte brauchen keine künstlichen Verzierungen.
E: Wer gut handelt (A: wer den Weg praktiziert), übt sich nicht in geschicktem Reden.
E: Wer das Wesentliche (wörtlich: „die Zusammenfassung“) weiß, braucht nicht viel zu lernen.
E: Der Heilige setzt seinen Weg für die Menschen ein, er gibt ihnen alle seine Reichtümer (wörtlich: „seinen Nutzen“, das Wort Reichtümer wird hier bildlich verwendet). Obwohl er sie über alle Menschen des Reiches verteilt und sie den kommenden Generationen vermacht, wird sein Weg immer reicher und unerschöpflich; seine Reichtümer wachsen immer mehr und erfahren keinen Verlust.
A denkt, dass es hier um echte Reichtümer geht. „Wenn er den Einfluss seiner Tugend für die Menschen verbreitet, wird seine Tugend nur noch reichlicher. Wenn er seine Reichtümer verschenkt, werden seine Reichtümer nur noch üppiger.“
E: Der Himmel ernährt alle Wesen; er nützt ihnen und tut ihnen keinen Schaden.
E: Der Heilige hilft dem Reich durch den Weg; wenn seine Verdienste vollbracht sind, hält er sich nicht daran fest (und zieht sich zurück).
A: Er streitet nicht um Verdienst oder Ruhm. Vgl. Kap. II, IX.